Dank Datenflatrates und Smartphones kann jeder Internetnutzer heute permanent online sein. Ob Emails, Twitter, Wikipedia oder Facebook - die Nutzung des Internets ist inzwischen weder an Ort noch Zeit gebunden. Niemand muss sich mehr an einem Computer sitzend einloggen sondern kann, sofern er denn möchte, auf dem Sofa, im Fußballstadion, in der Bahn oder im Park online sein. Aber muss man es auch? Zwei Meinungen:
Pro von Jan Krömer
Ja, ich bin immer online. Und das ist auch gut so. Eine Bahnfahrkarte kaufe ich dann, wenn ich sie brauche und das dauert nicht mal eine Minute. Ein Drucker für das Ticket wird auch nicht mehr benötigt. Den Weg zum nächsten Geldautomaten »meiner« Bank finde ich in jeder fremden Stadt genauso wie die beste Pizzeria im Umkreis von 500 Metern. Ist mir ein Lied im Radio unbekannt, kennt es mein Handy.
Wie könnte man das nicht als Bereicherung empfinden? Natürlich ging es auch mal ohne, irgendwie. Aber angeblich gab es auch mal ein funktionierendes Leben vor Erfindung der Elektrizität. Ob es besser war, möchte ich allerdings bezweifeln.
Ohnehin war die Trennung von »online« und »offline« schon immer eine erzwungene. Die Vision des World Wide Web ist die eines weltumspannenden Netzwerks für Informationen, die unabhängig von Raum und Zeit abgerufen werden können. Die Tatsache, dass man sich hierfür viel zu lange an einem Schreibtisch sitzend einwählen musste, war den zu schweren Computern und zeitabhängigen Abrechnungen geschuldet. Glücklicherweise ist diese Zeit vorbei.
Natürlich heißt das nicht, dass man gemeinsam mit den Minutentarifen auch gleich seinen Anstand über Bord werfen sollte. Im Kino oder beim Abendessen darf das Smartphone ruhig in der Tasche bleiben. Aber dies galt auch schon fürs Telefonieren per Handy. Überdies ist es ein Trugschluss zu glauben, dass die neuen technischen Möglichkeiten zwangsläufig dazu führen, dass man immer mehr Zeit im Internet verbringt. Im Gegenteil: Anstatt ständig am Computerbildschirm Emails zu checken, nur um zu sehen, dass es gar nichts Neues gibt, reicht heute ein flüchtiger Blick aufs Handydisplay. Das eigentliche »Online-Sein« ist häufig eher eine Art passiver Zustand als eine aktive Tätigkeit.
Solange man »Always ON« als Möglichkeit und nicht als Muss ansieht, sind die Vorteile schlichtweg fantastisch.
Contra von Andreas Temme
Auch auf die Gefahr hin, dass ich jetzt allen Hightech-Freaks und iPhone Fanboys als altmodischer Briefeschreiber gelte: Das permanente Online-Sein, vor allem das der Smartphone-Nutzer, nervt. Offenbar stehe ich mit dieser Meinung allerdings weitgehend alleine.
Schaut man sich auf der Straße, in Cafés und eigentlich egal wo um, scheinen permanent so gut wie alle Smart-phone-Nutzer mit ihrem Handy hantieren zu müssen, als seien sie noch bei Abschluss des Vertrages vom Verkäufer persönlich hypnotisiert worden.
Auswirkungen auf das Sozialleben bleiben da nicht aus. In persönlichen Gesprächen (ja, es gibt sie noch, die klassische »Face-to-Face-Kommunikation«) neigen viele bereits dazu, unaufmerksam zu sein und immer wieder abgelenkt auf ihr Display zu stieren. In ihren Augen flackert die stetige Angst, etwas zu verpassen. Was kann man denn bitte in 3 Minuten so wichtiges verpassen? Die gesteigerte Symptomatik der Online-Süchtigen: Völlige Abschottung von ihrer Umwelt. Man sieht sie in der Bahn, den Blick permanent auf den Daddelkasten gerichtet. Gerne sitzen sie auch in Gruppen nebeneinander, jeder für sich, mit Kopfhörer im Ohr, in Twitter, in irgendein Blog oder in die neuste App vertieft. Analoge, menschliche Kommunikation dagegen Fehlanzeige.
Schlimmster Nebeneffekt des pausenlosen Surfens aber sind die zahllosen Statusupdates der einschlägigen Social Networks. »Peter hat gerade zu Mittag gegessen«, »Sophia ist krank und hat ganz dolle Kopfweh.« Wer hat Menschen nur gebeten, ihr Privatleben einem Exhibitionisten gleich zur Schau zu stellen?
Ich jedenfalls nicht und deswegen werde ich auch weiterhin mit meinem »primitiven« 20-Euro-Pre-Paid-Handy telefonieren und mein Geld nicht in sündhaft teure Spielzeuge samt ihrer exorbitant überteuerten Verträgen stecken.
Wie ist Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit unter www.social-media-magazin.de/neveroff
(jk)
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