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Start Heft Nr. 01-2011 Social Media Diplom

Social Media Diplom

Wer bildet in Deutschland die besten Social-Media-Experten aus?

social media schule

Kaum ist »Web 2.0« in den Köpfen angekommen, ist der Terminus bereits wieder überholt. Es zeigt sich: wer bei solch rasanten Veränderungen mitkommen will, muss sich darauf spezialisieren. Denn neben dem Status-Quo gilt es auch, die Entwicklung ständig zu beobachten. Am ehesten firm in dieser Thematik sind natürlich jene, die schon in ihrer Ausbildung ein umfassendes Bild von Informationsvorgängen im Social Web erhalten haben. In Deutschland bieten gleiche mehrere Hochschulen entsprechende Ausbildungen von Informationsexperten an.

Schon die erste Sichtung zeigt, dass das Themengebiet nicht nur weit ist, sondern auch eine ganze Nomenklatur von Bezeichnungen trägt, unter denen man fündig werden kann. Allein der Begriff »Information«, wie er zum Beispiel in den Studiengängen Informationswissenschaft und Informationswirtschaft auftaucht, ist ein Hinweis auf die gesuchten Studieninhalte. Auch in den informatischen Fächern gibt es Überschneidungen mit Social Media. Trotzdem sollte man sich die Inhalte der Studiengänge genauer anschauen.

Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Informationswissenschaft

uni düsseldorfDie Inhalte, die an der Universität Düsseldorf gelehrt werden, reichen von ersten Erkenntnissen über Informationen bis zu den Algorithmen, die Suchmaschinen verwenden. Das Information Retrieval, also die Suche nach zuvor abgelegtem Wissen, ist in der Landeshauptstadt Dreh- und Angelpunkt. Neben klassischen Retrievalmethoden wie dem Booleschen Operatorensystem gibt es auch Fächer, die sich ganz konkret mit professioneller Recherche in kommerziellen Datenbanken befassen.

Hinter dem Titel »Informationswissenschaft und Sprachtechnologie« verbirgt sich ein sogenannter integrativer Studiengang. Darin werden die Studierenden in Düsseldorf auch an die Informatik herangeführt. Außerdem steht die Computerlinguistik auf dem Stundenplan, die eine traditionelle Einführung in Automatentheorie mit einem Überblick über aktuelle Techniken der elektronischen Sprachverarbeitung kombiniert.

Gleichzeitig kann Informationswissenschaft auch als Ergänzungsfach studiert werden. Besonders durch die ausführliche Lehre der Recherche eignet sich dies zur Kombination mit anderen Fächern der philosophischen Blickrichtung. Konzentriert man sich auf die Informationswissenschaft als Kern des Studiums, lassen sich fünf Teildisziplinen eruieren, wie Prof. Dr. Wolfgang G. Stock, Lehrstuhlinhaber und Leiter der informationswissenschaftlichen Abteilung, in einer Vorstellung beschreibt. Neben dem genannten Re-trieval spaltet sich die Informationswissenschaft weiter in Wissensrepräsentation, Wissensmanagement, Informationsmarkt und den Bereich der informetrischen Forschung auf.

Die Abteilung für Informationswissenschaft an der Heinrich-Heine-Universität gehört zum Institut für Sprache und Information an der Philosophischen Fakultät. Da zum Themenbereich der Düsseldorfer Informationswissenschaft aber auch die Informatik gehört, sind Schnittmengen mit Mathematikern und Naturwissenschaftlern vorhanden. Um den Studierenden ein umfassendes Maß an Möglichkeiten zum Selbststudium zur Verfügung zu stellen, pflegt das informationswissenschaftliche Institut ein eigenes Wiki-System. Vorlesungen können zudem als archivierter Video Podcast eingesehen werden. Per Link wird der Student mit den wissenschaftlichen Artikeln zum Thema verbunden.

Der wirtschaftliche Aspekt wird in Düsseldorf durch das Modul der »Angewandten Informationswissenschaft« repräsentiert und bietet neben Einblicken in das Wissensmanagement von Unternehmen auch einen Überblick des Informationsmarkts. Zudem muss ein zusätzliches Praktikum außerhalb der Vorlesungszeit absolviert werden.

In Düsseldorf können Bachelor und Master erworben werden, außerdem gibt es die Möglichkeit einer Promotion. Neben den zahlreichen Anwendungsmöglichkeiten ist für Absolventen der Bereich Social Media naheliegend, da sie sich mit Informationsabläufen und Recherche bestens auskennen.

An der Universität Düsseldorf ist Social Media unter anderem Forschungsgebiet der Wissensrepräsentation. So wird insbesondere der freien Indexierung per Folksonomy große Wichtigkeit beigemessen. So soll die freie Verschlagwortung durch Tags durch ein neuartiges Software-Tool »Tag Care« strukturiert werden. Im Bereich der Sentiment Analyse leistet die Universität Düsseldorf führende Forschungsarbeit mit  »Emotional Information Retrieval« (EmIR), das Tonalitätsanalysen nicht nur mit den Attributen »negativ«, »positiv« und »neutral« betrachtet, sondern beispielsweise auch mit »Trauer«, »Freude«, »Sehnsucht«, »Ekel« und »Liebe«. Hierzu wird an der Uni-Düsseldorf die dort entwickelte Suchmaschine namens Memose (Media Emotion Search) genutzt, die in der Lage ist, gefühlsgeladene Bilder, Videos und Musikstücke im Web zu finden.

Auch andere Techniken zur Anlage von Datenbanken stehen hier auf der Tagesordnung. Der Bereich der Sprachtechnologie ermöglicht den Studierenden unter anderem Einblicke in Aufbau und Programmierung von automatischen Indexierungsystemen. Diese können auch im Social Web verwendet werden, um Content zu erschließen. Aus der empirischen Informationswissenschaft lässt sich außerdem die Berechnung von Reichweiten für die Analyse von Social Media nutzen.
» http://www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/infowiss

Fachhochschule Köln
Informationswirtschaft

fh kölnIm Zentrum des Studiums steht, wie bereits der Name zeigt, der wirtschaftliche Aspekt der Information. Sämtliche Kernfragen und Probleme, mit denen sich die Informationswirtschaft befasst, werden daraufhin ausgerichtet und im Hinblick auf Unternehmensabläufe beachtet. Wie fließen Informationen innerbetrieblich? Welchen Informationsbedarf hat ein Unternehmen? Wie werden Informationen archiviert und abrufbar aufbereitet? So steht außer Frage, dass der klassische Bereich Wirtschaft, angereichert etwa durch Informationsmarketing und Betrieblichem Informationsmanagement, zu den Kernkompetenzen der Kölner Studenten zählt.

 Der Studiengang gehört zum Institut für Informationswissenschaft der Fachhochschule Köln. Die angehenden Informationswirte absolvieren in der Regelstudienzeit von sechs Semestern unter anderem ein Praxissemester, um Einblicke in die Arbeitsabläufe der Unternehmen zu erhalten. Danach stehen für die Studierenden konkrete Praxisprojekte auf dem Programm, in denen in Kleingruppen konkrete Aufgabenstellungen aus der Praxis unter Anleitung bearbeitet werden. Zum Ende Ihres Studiums wird eine Bachelor-Arbeit erstellt, die häufig ebenfalls in Zusammenarbeit mit einem Unternehmen stattfindet.

Das Studium an der Fachhochschule Köln enthält einen höheren wirtschaftlichen Anteil, als vergleichbare Studienangebote und einen starken Praxisbezug. Die Informationswissenschaft, einer der Kernbereiche des Studiengangs, vermittelt umfassendes Grundwissen. Die Inhalte aus Information Indexing & Retrieval befassen sich mit praktischen Rechercheaufgaben. Gleichzeitig wird hier auf die Erstellung von Datenbanken hingearbeitet.

Dass der Numerus-Clausus-Studiengang eng an die Bedürfnisse der Wirtschaft angelehnt ist, zeigen auch die Anforderungen an Studieninteressierte. Neben Wirtschaft, Informatik und Mathematik steht auf der Liste der Vorkenntnisse auch ein gutes Abiturzeugnis.

Die umfassende Lehre an der Fachhochschule Köln sorgt dafür, dass die Absolventen des Studiengangs bestmöglich auf die Vorgänge des Social Media vorbereitet sind.
Der Bereich Social Media wird in Köln durch Prof. Dr. Matthias Fank repräsentiert, der Projekte und verschiedene Forschungsarbeiten rund um Social Media betreut. Der Studiengangsleiter ist Prof. Dr. Frank Linde.

Zudem bietet das Institut für Informationswissenschaft den Master-Studiengang »Markt- und Medienforschung« an, in dem den Studierenden Instrumente der Online-Forschung näher gebracht werden.
» http://www.fbi.fh-koeln.de

Fachhochschule Köln
 Zertifizierung zum Social Media Manager

Ab März 2011 bietet die Fachhochschule Köln die berufsbegleitende Weiterbildung zum Social Media Manager an, die erstmals von einer Hochschule in Deutschland angeboten wird.

Unter der Leitung von Prof. Dr. Matthias Fank erhalten die Teilnehmer in 6 Modulphasen Einblick in Aufbau und Nutzung gängiger Social-Media-Anwendungen. Neben den Grundlagen sind detaillierte Schulungen etwa in Monitoring, Marketing sowie den Rechtsgrundlagen von Social Media Teil des Programms. Die Kurse erstrecken sich über 5 Monate, umfassen 60 Zeitstunden und finden stets am Wochenende statt. Neben der klassischen Wissensvermittlung ist das Erarbeiten von Themen in Gruppen vorgesehen. Am Ende steht sowohl eine schriftliche, als auch eine mündliche Abschlussprüfung. 

Die Zertifizierung ist auf 30 Teilnehmer beschränkt und erfordert einen Hochschulabschluss in Betriebswirtschaftslehre mit den Schwerpunkten Marketing, Marktforschung oder PR, wie sie beispielsweise auch in Studienfächern in Informations- und Kommunikationswissenschaften zu finden sind. In Ausnahmefällen kann die Teilnahme aufgrund ausreichend vorhandener Berufserfahrung in den genannten Bereichen genehmigt werden.
» http://www.social-media-zertifikat.de

Hochschule Fresenius
Media & Communication

freseniusDass sich immer mehr Unternehmen für die Meinungen, die ihre Kunden im Netz über sie austauschen, interessieren, hat man längst an der Hochschule Fresenius verstanden. Ebenfalls in der Domstadt am Rhein beheimatet werden hier ab Frühjahr nächsten Jahres Social-Media-Experten im Rahmen des Studiengangs »Media & Communication« ausgebildet.

Der Bereich des Social Media Marketing soll neben den Bachelor-Studenten auch den Studierenden des Masters »Media Management & Entrepreneurship« nahegebracht werden. Dabei sei, so Prof. Dr. Große Holtforth, der Themenkomplex vorerst nur neuer Bestandteil der Kommunikationspolitik. Trotzdem werden den Eigenheiten der Marketing-Strategie mit neuen Unterrichtskonzepten Rechnung getragen. Die Hochschule Fresenius legt Wert auf eine praxisnahe Ausbildung und sieht sich in der Pflicht, Entwicklungen der Geschäftsmethoden aufzugreifen.
» http://http://www.hs-fresenius.de

Hochschule Darmstadt
Informatik- und Informationswissenschaften

Der Studiengang Information Science & Engineering, auch unter Informationswissenschaft zu finden, ist nach eigenen Angaben der Bildungsanstalt eher ingenieurwissenschaftlich bzw. informationstechnisch ausgerichtet. Auf der Web-Präsenz der Hochschule ist die Informationswissenschaft nahe der Informatik angesiedelt. Die Themenkomplexe des Curriculums werden in jeweils zwei Semestern abgehandelt. Parallel hat der Student hier die Möglichkeit, bereits frühzeitig persönliche Schwerpunkte für die spätere Berufskarriere zu setzen. Die Studienrichtungen Bibliotheksmanagement, Medieninformation und Wirtschaftsinformation sowie das Angebot eines individuellen Qualifikationsprofils machen die Ausbildung an der Hochschule Darmstadt nach eigenen Angaben weitgehend unabhängig von konjunkturellen Schwankungen und Trends. In den ersten beiden Semestern erfolgt in den Fächern Information Broking, Wissensrepräsentation sowie Informatik eine Einführung der Studierenden. In der Wissensrepräsentation geht es insbesondere um den Aufbau von Datenbanken. Zusätzlich zu diesen »soliden Grundlagen« werden Basics der Wirtschaftswissenschaften gelehrt. Information Retrieval, Projekt- und Informationsmanagement sind die Schwerpunkte des zweiten Studienjahres. Für die Arbeit in Social Media ist ersteres ein unerlässlicher Grundbaustein.

Für die nötige Praxiserfahrung sorgt das dritte Studienjahr, in dem in Darmstadt die dreimonatige Berufspraxisphase ansteht. Diese soll ebenfalls die Vielseitigkeit des Darmstädter Angebots stützen. Ein weiteres Praktikum von mindestens 18 Wochen ist für den etwaigen Master-Studiengang anberaumt. In diesen zusätzlichen vier Semestern erfolgt die Ausbildung für leitende Positionen der oben genannten Unternehmensbereiche. Durch die praxisorientierte Ausrichtung der Hochschule werden automatisch auch die Kernkompetenzen für Social Media geschult.
» http://www.h-da.de/studium/studienangebot/informatik-und-informationswissenschaften

Humboldt-Universität Berlin
Bibliotheks- und Informationswissenschaft

humboldt-uni berlinUnter dem Titel Bibliotheks- und Informationswissenschaft wird an der Humboldt-Universität Berlin vieles gelehrt, was den Bezug zu Social Media nahelegt. Besonders die Bereiche Information und Gesellschaft und Informationssysteme und -dienstleistungen kommen um das Verhalten von Verbrauchern, die im Netz zu Prosumern werden, nicht herum. Diese sind die Produzenten des User Generated Content und gleichzeitig Konsumenten. Hier können Bachelor und Master studiert werden, so dass ein umfassendes Feld abgedeckt wird.
» http://www.ibi.hu-berlin.de

Social Media Akademie Mannheim

Ganz andere Wege geht die Social-Media-Akademie, die sich nicht auf die Ausbildung von Studierenden spezialisiert hat, sondern professionelle Weiterbildungen im Bereich Social Media anbietet. Zielgruppe sind in diesem Fall nicht junge Schulabgänger, sondern Vertreter und Mitarbeiter von Unternehmen. Als Referenten beruft sie sich auf Lehrende aus dem ganzen deutschsprachigen Raum, die je nach Expertise für Vorlesungen eingeladen werden. Das Konzept: Alle Vorlesungen werden digital abgehalten, Materialien sind online verfügbar. So wird das Angebot neben einer obligatorischen Basisveranstaltung durch Tiefenlehrgänge und Lehrgänge aus dem sogenannten Special-Interest-Bereich erweitert. Absolventen lernen unter anderem das Verbraucherverhalten in Social Media oder den richtigen Umgang mit Kritik in Foren und Blogs. Zusätzlich zu den Online-Inhalten werden Lerngruppen in Xing und Facebook veranstaltet. Die Akademie selbst gehört zur webculture GmbH und sitzt in Mannheim.
» http://www.socialmediaakademie.de

Hochschule für angewandte Wissenschaften Hamburg
Information Engineering

haw hamburgInteressant stellt sich auch das Angebot namens Information Engineering der Hochschule für angewandte Wissenschaften Hamburg dar. Das breit aufgestellte Curriculum umfasst für die drei Studiengänge »Bibliotheks- und Informationsmanagement«, »Medien und Information« sowie »Informationswissenschaft und -management« medienkulturelle und wirtschaftliche Aspekte. Bibliotheks- und Informationsmanagement sowie  Medien und Information werden als Bachelor-Abschluss angeboten, Informationswissenschaft und Management gibt es nur als Master-Studiengang.
» http://haw-hamburg.de

Universität Regensburg
Informationswissenschaft

Die Universität Regensburg bietet einen Studiengang für Informationswissenschaft an, der neben Betriebswirtschaftslehre und Informatik auch auf Fächern wie Psychologie oder Soziologie fußt. Hier weist besonders der Fachbereich Kommunikationswissenschaft darauf hin, dass die Analyse von Informationsabläufen ein wichtiges Thema ist, welches auch für Social Media von Bedeutung ist. Informationswissenschaft wird in Regensburg nur als Master-Studiengang angeboten und eignet sich daher zur Weiterbildung auf Basis unterschiedlichster Qualifikationen.
» http://www.uni-regensburg.de

Karlsruher Institut für Technologie
Informationswirtschaft

Studiengänge mit Qualifikation zum Social-Media-Mitarbeiter bietet auch das Karlsruher Institut für Technologie an. Unter dem Titel Informationswirtschaft geht es hier vor allem um Online-Angebote, wie zum Beispiel in der Finanzbranche, und andere Geschäftsmodelle, die mit dem Medium Internet nötig und möglich wurden. Hier sind Bachelor- und Master-Abschlüsse möglich.
» http://www.kit.edu/studieren/2325.php

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Fazit
Neben den angegebenen Hochschulen gibt es noch eine kaum zu überblickende Zahl an weiteren Angeboten vieler deutscher Hochschulen, die sich mal mehr, mal weniger mit Social Media befassen. Vielerorts verbirgt sich hinter den Studiengängen vor allem Informatik, die noch häufig als Oberbegriff von Informationswirtschaft und -wissenschaft gehandelt wird. Da die Branche allerdings ein stetiges Wachstum verzeichnet und auch mehr Aufmerksamkeit gewinnt, ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich einheitliche Benennungsstandards ausbilden.

 (de)

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