Fraunhofer veröffentlicht die erste umfassende Marktstudie
Die Nutzung von Informationen und Anregungen aus dem Social Web ist für Unternehmen wichtig und zielführend. Diese Erkenntnis hat sich mittlerweile auch bei wichtigen Entscheidern in Deutschland durchgesetzt. Mit welchen Mitteln diese Inhalte erfasst werden sollen, ist für viele Unternehmer jedoch noch immer fraglich. Das Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) hat im Rahmen einer neuen Studie Social Media Monitoring Tools auf Herz und Nieren geprüft.
Die Kriterien für die Aufnahme in die Untersuchung waren klar definiert. Das Unternehmen muss entweder eigene oder exklusiv entwickelte Software nutzen. Die Angebote sind jedoch nicht auf reine IT-Lösungen beschränkt, sondern beinhalten in den meisten Fällen zusätzliche inhaltliche Beratungsfunktionen. Nur 26% der getesteten Social-Media-Monitoring-Anbieter liefern dem Auftraggeber lediglich Tools zur selbstständigen Nutzung. Alle anderen Unternehmen bieten entweder nachträglich Beratertätigkeiten an (47%) oder liefern Handlungsempfehlungen und Marketing-Ideen gleich im Rahmen der Ergebnispräsentation (26%).
Durchführung
Die Fraunhofer-Studie wurde in vier Schritten durchgeführt. Am Anfang stand die Identifikation der zu analysierenden Social Media Monitoring Tools. Die Kernfragen der Fraunhofer-Forscher waren die Anwendungsfelder der Tools, der Umfang etwaiger Beratungsleistungen, Funktionen der IT-Lösungen und das Preismodell des Anbieters. Im nächsten Schritt stieg Fraunhofer aktiv in die Untersuchung ein: Das Unternehmen wurde zum Interview gebeten und das Tool ausgiebig getestet. Die gewonnenen Daten wurden schließlich strukturiert.
Die Ergebnisse geben unter anderem Aufschluss über die Kompetenz der Mitarbeiter, die am Social Media Monitoring beteiligt sind. So gaben 6 von 22 Unternehmen an, sich ausschließlich auf diesen Geschäftszweig spezialisiert zu haben. Weitere 10 Unternehmen verfügen laut eigenen Angaben über Kompetenzen aus angrenzenden Wissensgebieten wie etwa der Suchmaschinenoptimierung. Weitere 3 sind neben dem Bereich Social Media vor allem in der klassischen Marktforschung tätig.
Auch die Nutzung der gewonnenen Erkenntnisse der jeweiligen Social-Media-Monitoring-Unternehmen wurde sorgfältig untersucht. Gibt es keine beratende Tätigkeit durch den Anbieter des Social-Media-Monitoring-Tools, werden die Informationen meist an firmennahe Agenturen weitergeleitet. Im Großteil der Fälle werden die Daten jedoch von Mitarbeitern aus Unternehmenskommunikation oder Marketing genutzt.
Freie Tools
Als Alternative zu kommerziellen und daher kostenpflichtigen Tools zum Monitoring des Social Web werden häufig freie Software-Lösungen beworben, die dem Anwender umfassenden Einblick in User Generated Content versprechen. Diese Dienste sind jedoch laut Fraunhofer lediglich zu Spontan-Recherchen zu gebrauchen, da sie meist nur bestimmte Quellen abfragen oder nur begrenzte Filtermöglichkeiten bieten. In der Studie werden die Gratis-Tools, die häufig nicht mehr sind als RSS-Reader, als allenfalls »interessant« bezeichnet.
Professionelle Tools, auf die sich die Studie bezieht, sind laut Fraunhofer umfangreicher, sparen aufgrund ihrer universellen Anwendbarkeit auf nahezu alle Quellen Zeit und bieten zudem meist eine intellektuelle Auswertung der Ergebnisse.
Die Unternehmen
Grundsätzlich, so eine der Kernaussagen der Untersuchung, ist die Analyse und Auswertung von Inhalten aus dem Social Web in Deutschland weitgehend Neuland. Nur 6 der insgesamt 22 in der Studie vertretenen Anbieter von Social Media Monitoring Tools haben ihren Hauptsitz in Deutschland.
Darunter ist aber auch die Software des Unternehmens Cogia GmbH zu finden, obwohl es unter seinem alten Namen Cogisum Intermedia AG bereits Insolvenz anmelden musste. Zudem sind weitere neue, eher unbekannte Tools in der Studie vertreten, die bislang auf dem Markt noch nicht auf sich aufmerksam machen konnten.
Stärker und erfolgreicher am Markt vertreten scheinen weiterhin die Unternehmen B.I.G., complexium, infospeed und Vico zu sein.

Fazit
Im anschließenden Ausblick prognostizieren die Forscher dem Social Media Monitoring weiter wachsende Wichtigkeit und fordern von den Unternehmen, Prozesse und Rollen zu entwickeln, die die gelieferten Informationen bestmöglich nutzen können. Als Teile der kommenden Entwicklung bewertet Fraunhofer unter anderem Multiuser-Systeme, die dem Auftraggeber Accounts mit unterschiedlichen Nutzerrechten zur Verfügung stellen, oder das Monitoring von Rich Media, also Inhalten, die neben Texten auch Bild- oder Videomaterial umfassen.
Die Studie kostet 95 EUR und kann über den regulären Buchhandel oder direkt über Fraunhofer erworben werden:
Fraunhofer Verlag, ISBN: 978-38396-0194-5
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