Social Media Magazin™

Das Magazin für Marketing, Marktforschung und PR

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern
Start Heft Nr. 03-2010 Social Media im Ausbildungsmarkt

Social Media im Ausbildungsmarkt

Das Ausbildungsportal azubister

social-media-ausbildungsmarktfoto: BdwayDival

von Andreas Diehl

Social Media bietet Unternehmen die Chance, frühzeitig den Kontakt zu motivierten Schülern aufzubauen und zu pflegen. Für Schüler bietet sich die Chance, sich über die Vernetzung und den Austausch mit Azubis über verschiedene Berufe zu informieren, um mehr Begeisterung für die künftige Ausbildung und das Unternehmen zu entwickeln.

Facts & Figures zum Ausbildungsmarkt

Deutsche Unternehmen sind international bekannt für ihre qualifizierte Ausbildung im dualen System. Junge Schulabgänger werden dabei in Schule und Betrieb zu Fachkräften ausgebildet. In Deutschland absolvieren zwei Drittel aller Schulabgänger eine praktische »duale« Ausbildung1, während ein Drittel der Jugendlichen unmittelbar nach der Schule eine akademische Ausbildung anstrebt.
Der Bedarf an jungen Nachwuchskräften ist von konjunkturellen Entwicklungen abhängig und bewegte sich in den vergangenen Jahren weitgehend konstant bei durchschnittlich ca. 570.000 neuen Auszubildenden jährlich. Das Investitionsvolumen der Ausbildungsbetriebe in den Bereich der betrieblichen Ausbildung beläuft sich auf 28 Mrd. Euro jährlich, dies entspricht einer Investition pro Azubi von ca. 55.000 Euro über die gesamte Ausbildungszeit von 3 Jahren.2

berufseinsteigerBewerberrückgang

Entwicklung der Bewerberzahlen in Tausend

Demografischer Wandel und der »War for Talents«
Aufgrund des demografischen Wandels kann man jetzt bereits davon ausgehen, dass die Anzahl der Schulabgänger bis 2020 um 23% zurückgehen wird. Betriebe beklagen zudem die abnehmende Bildung und Qualifizierung junger Schulabgänger. Diese Entwicklungen stellen Unternehmen vor die Herausforderung, den Kontakt zu jungen Talenten frühzeitig aufzubauen und zu kultivieren, um im »War for Talents« zu bestehen.
Auf der anderen Seite finden sich Jugendliche, die mit ihrer Berufswahl nicht selten überfordert sind oder alleine bleiben. So finden die wenigsten Schüler Unterstützung in den angebotenen Beratungsangeboten. Im Primärmedium Internet finden sich derweil kaum zielgruppengerechte und zeitgemäße Angebote, um sich über mögliche Berufe, Ausbildungen und Unternehmen zu informieren.

Das Dilemma von Schülern und Betrieben

Die wenigsten Jugendlichen haben eine klare Vorstellung, welchen Beruf sie ergreifen sollen. So schauen Betriebe in Vorstellungsgesprächen oft in fragende Gesichter oder erhalten auswendig gelernte Antworten, wenn die Frage nach der Motivation für den gewünschten Beruf gestellt wird. Oder das Unternehmen kann Jugendliche nicht für einen Beruf begeistern, der für das eigene Unternehmen wichtig ist und langfristig mit Fachkräften besetzt sein muss.
Das Bedürfnis der Betriebe nach zielführendem Ausbildungsmarketing und die Ratlosigkeit von Schulabgängern haben ein gemeinsames Bestreben: Eine klare Vorstellung von einem Beruf zu bekommen und die Motivation eines Schülers für eine Ausbildung in dem gewünschten Unternehmen zu erhöhen.

Ausbildungsmarketing
Den Unternehmen bietet sich durch eine geförderte und aktive Vernetzung seitens ihrer Azubis die Chance, Schulabgänger bereits lange vor dem Abschluss zu erreichen. Schüler haben durch die Vernetzung mit Azubis die Chance, frühzeitig eine Identifikation mit dem Beruf herzustellen und sich durch den Austausch über diesen Beruf zu informieren sowie sich einen Einblick in die Ausbildung des Unternehmens zu verschaffen. Schüler können sich mit Fragen an Azubis wenden, um so Tipps und Erfahrungswerte aus erster Hand zu bekommen. Betriebe profitieren mit einer interaktiven Präsenz und der Möglichkeit der direkten Kontaktaufnahme von einer authentischen Darstellung im Primärmedium der Zielgruppe.


Nutzungsverhalten der Zielgruppen

Google bedient monatlich ca. 10 Mio. relevante Suchen im Umfeld Ausbildung. 43% aller Gymnasiasten nutzen das Internet für ihre Recherche zur Ausbildung, bei den Hauptschülern sind es noch 31%. Ausbildungsbetriebe dagegen haben die Zeichen der Zeit noch nicht voll erkannt und werben überwiegend in Print-Publikationen oder auf Bewerbermessen. Im Internet findet kaum ein Dialog mit Schülern statt.

nutzungsverhalten

Nutzungsverhalten der Zielgruppen
Quelle: Jim Studie 2008

Chancen für Unternehmen
Ausbildungsbetriebe müssen im Internet gefunden werden und in der Lage sein, Kontakt mit Schülern aufzubauen und dauerhaft zu pflegen. So kommen Unternehmen nicht unter Zugzwang, wenn es darum geht, offene Vakanzen für das kommende Ausbildungsjahr zu besetzen.

Wird das Unternehmen unter den für sie wichtigen Berufen und Standorten im Netz gefunden?
Schüler suchen nach Ausbildungsplätzen und Informationen zu Berufen im Internet. Tauchen Unternehmen nicht in den Ergebnislisten auf, werden sie nicht gefunden und haben keine Chance, in Dialog mit dem interessierten Schülern zu treten.

Wie werden Besucher in einen Interessenten verwandelt?
Der nächste Ausbildungsbetrieb ist nur einen Klick entfernt. Nachdem der Schüler den digitalen Weg zum Unternehmen gefunden hat, gilt es, ihm Informationen und ein Angebot plakativ zu offerieren, um ihn neugierig auf das Unternehmen zu machen.

»Wir setzen dann mal einen Blog auf …… wir machen dann mal Twitter«
Web 2.0 und der Dialog mit der Zielgruppe im Social Web stellen Unternehmen nur selten vor ein technisches Problem. Unternehmen sind mit einem sozialen Phänomen konfrontiert und müssen lernen mit dem Medium strategisch und im Sinne der Netzkultur umzugehen.

Auf was gilt es dabei aus Sicht von Ausbildungsbetrieben zu achten?


Welche Präsenz hat das Unternehmen in den »Wohnzimmern« der Jugendlichen?
SchülerVZ, MySpace und Facebook sind mittlerweile die Wohnzimmer der Jugendlichen. Welche »Angriffsfläche« bietet das Unternehmen, um in diesen Netzwerken vertreten zu sein?


Wie gestalten Unternehmen den Dialog mit dem Nachwuchs von morgen?

Entscheidende Vorteile im »War for Talents« haben Unternehmen, die bereits lange vor dem Schulabschluss mit dem Schüler einen Kontakt aufbauen und diesen kultivieren können. Schüler sind es gewohnt, sich im Internet zu vernetzen und auszutauschen. Wenn Unternehmen auf dieses Kommunikationsverhalten nicht eingehen können, kann es passieren, dass das Unternehmen schnell »von der Bildfläche verschwindet«.


azubister ...
azubister… betreibt ein Ausbildungsportal für Schüler, Azubis und deren Ausbildungsbetriebe mit einer integrierten Lösung für das Ausbildungsmarketing von Unternehmen im Web 2.0. Das Portal verfolgt das Ziel, azubister als zentrale Kommunikations- und Vermittlungsplattform im Ausbildungsmarkt zu etablieren. Hier werden beispielsweise Kunden wie die Deutsche Telekom, Bundeswehr und REWE bedient.
Während Portale wie StudiVZ sich vor allem an Studenten gewandt haben, wollte man hier eine Plattform vor allem für Azubis etablieren. Das Ziel ist es, vor allem Jugendlichen durch die Vernetzung eine alternative Form der Berufsorientierung zu ermöglichen.
Das Kontaktnetzwerk ist vergleichbar mit Plattformen wie Xing mit dem Unterschied, dass azubister sich ausschließlich auf die Themen Ausbildung und Berufswahl fokussiert. Zudem integriert die Plattform die Ausbildungsbetriebe. Diese können sich dort mit einem eigenen Login an zukünftige Schüler und Azubis wenden. Bereits in einem Unternehmen tätige Azubis können hier gar als offizieller Vertreter des Unternehmens agieren, für das Unternehmen bloggen, Beiträge einstellen, Lehrstellen melden und Fragen interessierter Schüler beantworten. Das Prinzip ist im Grunde bereits aus Bewerbermessen bekannt: Dort erklären Azubis interessierten Schülern, welche Aufgaben sie in ihrem Beruf erfüllen. Somit wird das Konzept der Bewerbermessen ins Social Web überführt. Derzeit sind mehr als 500 Unternehmen bei azubister registriert.

 Quellen:
1 BIBB, Neue und modernisierte Ausbildungsberufe 2009,
2009, S. 5
 2 BDA, 2009


Andreas Diehl

andreas diehlÜber den Autor
Andreas Diehl ist Gründer und Geschäftsführer der azubister GmbH, die er im Jahre 2007 mit Kölner Medienunternehmen und Investoren gründete. Seit dem Verkauf seines ersten Unternehmens in 2006 engagiert sich Andreas Diehl als Gründer und Gesellschafter bei mehreren Internet-Startups. Andreas Diehl hat an der Universität Köln und der Hochschule St. Gallen (HSG) studiert.

Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.




Social Media Magazin bestellen:
>> Bezugsquellen



 

JComments Latest

  • ich möchte wissen warum ist die kohle schwarz
  • :-) hat mir sehr gut gefallen. Als Diplombiologin ...
  • In der Zukunft wird es noch viel mehr Portale dies...
  • Weiß jemand, ob die Fraunhofer Studie aktualisiert...
  • Die potenziellen Kunden sind meistens auch nicht o...

© Copyright by Social Media Verlag at Institut für e-Management e. V.