Um einen geeigneten Social-Media-Experten für ein Unternehmen zu finden, bedarf es eines sorgfältigen Auswahlverfahrens. In dem derzeit boomenden Social-Media-Segment steigt die Anzahl der selbsternannten Experten rasant an. Einige Agenturen scheuen selbst wettbewerbswidrige Aussagen nicht, indem sie leichtfertig behaupten, sie wären gar die »besten Social-Media-Experten«.
Wer sich derzeit noch am Anfang seiner Reise im Social Web befindet, wird von der Expertise oft mit Wild-West-Begriffen wie »Web 3.0« oder gar mit frei erfundenen Anglizismen wie »Social Intranet Collectiveness« überzeugt. Doch nicht jeder, der sich im Web dupliziert, ist ein Experte. Über 2.000 Freunde in Netzwerken, 500 Tweets und 3 Blogbeiträge täglich sagen zunächst nichts über das Wissen eines Beraters für Social Media aus. Desweiteren sind SEO-Spezialisten, Marketingprofis und PR-Mitarbeiter nicht automatisch hervorragende Social-Media-Berater, da in Social Media eigene Gesetze und Kommunikationsformen herrschen. Zudem können weitaus nicht alle Teilnehmer, die sich bei Social-Media-Treffen versammeln und sich als Social-Media-Experten behaupten, handfeste Referenzen vorweisen und auf Erfahrungen zurückgreifen. Um hier die Spreu vom Weizen zu trennen bedarf es einiger spezifischer Fragestellungen und Anforderungen, denen ein Social-Media-Berater gewachsen sein sollte.
Was zeichnet einen Social-Media-Experten aus?
Neben der selbstverständlichen Beteiligung in Social Media spielen viele weitere Kriterien eine entscheidende Rolle, so beispielsweise die Vita eines Social-Media-Beraters. Die Themenvielzahl und die komplexen wirtschaftlichen Zusammenhänge, welche mit einer Beteiligung an Social Media einhergehen, verlangen einen großen Anteil an wirtschaftlichem Verständnis, Marketing- und auch Journalismus-Kenntnissen. Darüber hinaus werden auch informationswissenschaftliches und technisches Know-how verlangt. Ein So-cial-Media-Berater sollte zudem die Strukturen in Unternehmen kennen und wissen, wie Online-Kampagnen auf diese abgestimmt werden sollten. In einer Netzkultur, in der das Tauschen und Teilen von Informationen zum Geschäft gehört, muss ein Experte zudem auch sein Wissen bezüglich des Urheber- und Wettbewerbsrechts vertiefen.
Weiterhin wollen die in Social Media gefundenen Daten und das Wissen für Unternehmen analysiert und strukturiert dargestellt werden. Ein Experte muss daher geübt darin sein, Ergebnisse verständlich zu präsentieren und aussagefähige Reports zu erstellen. Nicht nur die Aktivierung und Umsetzen von Projekten, sondern auch das Kontrollieren der Zwischenergebnisse und den Umgang mit Feedback aus der Community gilt es geschickt und zielgerecht zu meistern. Hierbei muss stets die Zielerreichung überprüft werden. Darüber hinaus gehören das Aufsetzen von Social-Media-Prozessen und ein Feingefühl für Projektmanagement zum Repertoire eines Social-Media-Experten.
Insbesondere das Wissen über soziale Zusammenhänge und deren Ausprägungen sowie ein gutes Gespür für die Communities sind weitere, unverzichtbare Eigenschaften. Nur so lassen sich Stimmungen schnell erkennen und geeignete Maßnahmen auch einleiten. Ein guter Social-Media-Berater muss demzufolge erkennen können, ob bestimmte Maßnahmen, die auf den ersten Blick leicht umsetzbar und Erfolg versprechend erscheinen, eventuell nicht im Einklang mit den Zielen und dem Image des Unternehmens stehen.
Ein Social-Media-Experte wählt sinnvoll unterschiedliche Kanäle aus und begründet verständlich und nachvollziehbar seine Entscheidungen. Bei der Frage nach dem ROI von einzelnen Kampagnen bricht er nicht in verlegenes Schweigen aus, sondern zeigt Wege und Möglichkeiten auf, diesen zu bestimmen.
Diese vielen und breiten Expertisen verdeutlichen, dass der Begriff »Social-Media-Experte« zahlreiche Interpretationsmöglichkeiten beinhalten kann. Die Arbeit eines solchen Beraters sollte daher differenzierter betrachtet werden, da dieser sich nicht auf alle Bereiche gleichzeitig spezialisieren kann. Ein Social Media Marketeer wird beispielsweise andere Expertisen besitzen als ein Social Media Researcher. Somit sollten Unternehmen derartige Experten detaillierter betrachten und sie speziellen Bereichen im Social Media zuordnen. Hierzu muss der Social-Media-Experte aber darlegen können, auf welche Bereiche des Social Media er sich spezialisiert hat. Wer lediglich behauptet, das gesamte Spektrum des Social Media bestens zu beherrschen, sollte mit Vorsicht genossen werden.
(dg)
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